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Hach, Kinder!

"Mama, du hast da ein wenig Bart am Bein!"

 

 

Sind sie nicht unfassbar süss, wie sie daherreden mit ihrem sprichwörtlichen Kindermund?

Darüber liesse sich vermutlich streiten.

 

Sie sind schonungslos ehrlich, wirken gerne frech und saugen deine Schwächen auf wie ein vom Mittelmeer zu Land getragener, jahrelang der Sonne ausgesetzter Schwamm.

 

Ich habe einen Sohn und ja, er ist gleichermassen treffsicher beleidigend wie charmant.

Das Wissen darum, dass er uns mit seinen bald 6 Jahren nicht bewusst beleidigt (jedenfalls so, wie wir Erwachsene das interpretieren würden) geht also auch mit der bedauerlichen Tatsache einher, dass auch die Komplimente, welche natürlich in Zuckerwatte-Manier  einfach dahingeplappert werden, oft nicht im direkten Zusammenhang zur eben verübten Tätigkeit oder gerade gesprochenem Wort stehen.

 

Und plötzlich sind sie nicht mehr süss

 

 Na gut, natürlich bleiben sie immer irgendwie süss. Nur werden die Augenblicke halt zu Raritäten und

immer häufiger redest Du dir und Deinen Freundinnen oder Kumpels dann dämlich grinsend beschwichtigende Phrasen ein wie »Ach, das gehört doch dazu» oder die Elternnotwaffe, mit der als vermeintlich rettender Anker über andere Kinder abgelästert wird «Es wurde ja schon massiv besser, ich meine sieh Dir mal Friederike-Luise an, da wird das bestimmt noch dauern!".

 

Dann sucht Dich dein Kind irgendwann im Bad auf (genau, in der letzten elterlichen Zufluchtsoase, die keine mehr ist, sobald das Kind aufrecht gehen kann), streicht Dir sanft über dein unrasiertes Bein (wann soll denn bitte auch dafür noch Zeit bleiben?), bevor seine Gesichtszüge komplett entgleisen und kommentiert in absoluter Gelassenheit seine Geste mit einem «Mama, du hast da ein wenig Bart am Bein».

 

Es trifft jeden

  

Da war sie dann also. Die erste Beleidigung meines Kindes. Natürlich noch so unfassbar unschuldig verpackt, gekrönt von kleinen, braunen Kulleraugen, damit Du dir nicht im Traum vorstellen kannst, dass dies irgendwann mal (mit irgendwann meine ich natürlich sehr bald aber ich möchte Dir keine Angst machen) deinen Alltag bestimmen wird. Er oder sie wird also zum Rotzlöffel, obwohl, beziehungsweise gerade weil Du offenbar bisher vieles richtig gemacht hast. 

Ausser Du gehörst zu jener Sorte Eltern, die Grenzen überflüssig findet und somit automatisch auch gleich für die nächste Generation jeglicher Berater sowie Kinderpsychologen vorsorgt.

 

 

Was das mit integrativer Erziehung zu tun hat

Bis zu diesem Punkt überhaupt nichts. Dass sich Kinder entwickeln und dass dies auch im Bereich der Sprache passiert, ist Alltag.

Tatsache ist aber, dass viele Eltern nicht wissen, wie sie mit solchen Situationen umgehen sollen.

Man will das Kind stärken und in seiner Entwicklung fördern, richtig?

Aber dies soll nur innerhalb der eigenen Komfortzone geschehen. Wo es für Erwachsene oder Beteiligte unbequem, ja vielleicht sogar beleidigend wird, ist dann aber auch Schluss mit der Persönlichkeitsentfaltung.

Schliesslich heisst es doch immer, man solle dem Kind klare Grenzen aufzeigen, oder etwa nicht?

 

Möglichkeiten

Die oben genannten Grenzen, sind aber nicht die, welche Du deinem Kind setzt, weil Du es für richtig hältst.

Es sind Deine eigenen.

Wenn Du als Mutter/Vater an Deine Grenzen stösst, machst Du sie zu den Grenzen deines Kindes.

Das hat mit demokratischer Erziehung nichts zu tun, sondern mit der unterschätzten Bereitschaft, über Dich selbst hinauszuwachsen, damit auch Dein Kind es kann.

Integrativ erziehen bedeutet weder, dass man sich auf der Nase rumtanzen lassen soll (ich möchte nochmal die Eltern ohne Regeln grüssen), noch, dass man sich dem Kind vollumfänglich opfert. 

 

Es bedeutet, dass jede Familie für sich herausfinden darf, worauf sie persönlich Wert legt und diese dann als Gemeinschaft lebt.

 

Die integrative Erziehung kann Deiner Familie helfen, mit solch vermeintlich banalen Stolpersteinen im Alltag umzugehen, damit Du dich wieder darauf konzentrieren kannst, was Dir wichtig ist.

Was das ist, entscheidest Du.

Auf dem Weg dahin begleite ich Dich gerne.